Januar 2020

Regen, Nebel, 13 Grad PLUS, Wind, Matsch ... gefühlt seit vielen Wochen und kein Schnee in Sicht. So einen Winter habe ich in meinem ganzen Leben (50 Jahre) noch nicht erlebt. Das Wetter schlägt dermaßen aufs Gemüt.

In der Silvesternacht hatten wir dann einmal eine Regenpause und ein schönes Feuerwerk um unseren Hof herum. Die Nachbarn knallen zuverlässig jedes Jahr und unsere Tiere sind kaum noch interessiert daran. Gismo hat um 24:00 Uhr herum super cool im Offenstall Stroh gemümmelt und Léon hat mal neugierig geschaut, was da draußen los ist. Fand es wenig spektakulär und hat dann auch weiter gemümmelt.

Wenn es dann mal nicht regnet, spielen die Esel auf der Weide verrückter denn je. Die angestaute Energie muss raus und es ist eine Wonne, die Jungs dabei zu beobachten. Aber um schöne Fotos zu machen ... dafür ist das Wetter einfach nicht geeignet. Ich habe den Eindruck, es wird gar nicht richtig hell. Mit ein Grund, warum ich morgens relativ lange das Licht im Stall anlasse, damit etwas mehr Helligkeit rein kommt - ist mit Sicherheit vermenschlicht, aber mir tun hellere Räume bei so einem Schmuddelwetter immer ganz gut.

 

Februar 2020

Ich weiß nicht, warum sich die Esel von heute auf Morgen so seltsam verhalten haben, aber plötzlich war das tägliche "Hufe-auskratzen" ein Graus für beide.

Dabei war es doch inzwischen so normal geworden, dass ich sie beim Auskratzen noch nicht einmal ans Halfter nehmen oder gar anbinden musste. Sie standen frei und hoben brav alle 4 "Füße". Doch an einem Tag meinte Léon sich da etwas mädchenhaft anstellen zu müssen und ging einfach weg und Gismo bekam daraufhin Schiss und wollte sich auch nicht mehr anfassen lassen. Ich habe echt die Welt nicht mehr verstanden.

Ich habe sie dann ans Halfter genommen und nachgeschaut, ob vielleicht etwas weh tut, doch nichts. Angebunden gaben sie brav die Hufe, aber eben nicht mehr frei stehend.

Ich habe 2 Wochen jeden Tag probiert die Hufe frei stehend auszukratzen und sie gingen immer weg, also habe ich sie 2 Wochen jeden Tag angebunden. Und genau wie es gekommen ist, war es von heute auf Morgen auch wieder gut.

Jetzt tun sie so, als wäre dieses komische Intermezzo nie passiert.

 

Am Sonntag hatte es hier tüchtig gestürmt und Gismos Kruppe war regelrecht verwuschelt. Er hatte sich wohl mit den Hintern einfach gegen den Wind platziert. Ist schon toll, wie cool Esel auf Wind und Sturm reagieren. Pferde sind bei so einem Wetter viel nervöser unterwegs.

 

Ich hatte schon gedacht, es würde diesen Winter gar keinen Schnee mehr geben, doch in der Nacht hat es dicke Flocken geschneit und am nächsten Morgen Sonnenschein. Das ist für mich das aller-, allerschönste Wetter der Welt. Und die Esel haben die Sonne auch genossen.

März 2020

Zwei "neue" Esel sind am Wochenende ins "Esel-Internat" eingezogen. Die Hausesel Max & Moritz aus Worms sind noch etwas schüchtern. Sie werden auf der Seite meiner eigenen Esel und Ziegen integriert, denn sie sind in einer Schafherde aufgewachsen und können daher auch ausgezeichnet mit Ziegen.

Léon und Gismo haben sie bereits über den Zaun neugierig beäugt.

Angedacht ist, dass sie ca. 6 Monate hier auf unserem Hof trainiert werden:

  • Verladetraining
  • Führtraining und Verkehr kennen lernen
  • evtl. noch Packsatteltraining

Aber jetzt kommen die Jungs erst einmal hier an und lernen alles in Ruhe kennen.

Schönstes Frühlingswetter ... die Spaziergänge machen allen so viel Spaß. Inzwischen sind Léon und Gismo so geübt, dass ich nicht mehr mit einer langen Longe gehe, sondern nur mit einem gewöhnlichen Führstrick.

Léon geht entspannt am Führstrick auf den Spaziergängen mit.

 

Auch Querfeldeinübungen, wie hier der Engpass,

den die Bäume darstellen, meistert Léon tadellos.

 

Unterwegs einen kleinen Stopp an einer umgestürzten Fichte eingelegt.

Ephraim und Léon schmeckt der Snack und ihr Atem riecht danach herrlich.

 

Und dann die "Höhepunkt-Übung" des Waldes - eine steile Böschung BRAV runtergehen. Der Esel muss oben an der Böschung warten (und darf nicht fressen), während der Mensch runterklettert und erst danach soll der Esel en selben Weg gehen.

Ephraim macht es vor ...

 

... und Léon macht es sehr schön nach.

 

Nachdem wir einen extrem warmen und matschigen Winter hatten, ist es nun ungewöhnlich schnell heiß und trocken geworden. Gismo schwitzt bereits vom Nichtstun.

April 2020

Wurmkur war für alle Esel auf unserem Hof angesagt und die beiden haben diese ekelig schmeckende Paste diesmal total lieb eingenommen. Kein Gezicke. Ach, einfach nur schön, wie die Jungs uns inzwischen vertrauen und uns selbst Medizin nicht übel nehmen.

 

Spaziergänge mit Gismo und Freund Abraham

Da diese beiden Esel die plüschigsten auf unserem Hof sind und relativ schnell schwitzen, wenn sich das Wetter so plötzlich erwärmt und der Fellwechsel noch nicht begonnen hat, passen sie bei Wanderungen gut zusammen, denn sie haben dann beide ein schön gemäßigtes Tempo.

Gismos Fell weht herrlich im frühlingshaften Wind.

 

Auch Gismo achtet schön auf meine Kommandos und nimmt Rücksicht,

wenn ich zuerst die Böschung runtergehe.

 

Gismo geht immer mit sehr wachen Augen wandern. Alles wird neugierig bestaunt und so schaut er auch diesem weißen PKW, der sich in den Wald verirrt hat, noch einige Zeit hinterher.

 

Unterwegs hörte man deutlich, dass sich ein Stein im Huf verklemmt hatte.

Er ließ sich problemlos mit dem Finger entfernen und schon konnten wir weiterwandern.

 

 

Klettertraining unterwegs ...

 

Bachtraining unterwegs ...

Abraham hat es einmal vorgemacht und am Ende war Gismo auch ganz cool.

Mai 2020

Léon, als unser jünster Esel auf dem Hof, ist nach wie vor sehr verspielt. Hin und wieder jagd er den Gastesel Moritz (Schecke) durch den Auslauf, doch der findet das nicht so witzig. Daher haben wir beschlossen, die Gastesel Max und Moritz nicht mehr zu den "Großen" zu lassen.

Wenn wir mit Max und Moritz auf dem Übungsplatz trainieren, schauen Léon und Gismo immer ganz interessiert zu und wenn die Trainingseinheit zu Ende ist, dürfen dann auch die "Großen" mit uns auf dem Platz "spielen".

Léon ging von sich aus schon immer neugierig in den Trainingsanhänger, doch Gismo war dem Kasten gegenüber etwas skeptisch eingestellt.

Letztes Wochenende haben wir sie ans Halfter genommen und gezielt reingeführt. Léon ging wie zu erwarten, gut rein, ja und selbst Gismo schenkte mir soviel Vertrauen, dass er ohne zu zögern mit mir reingegangen ist. Im Anhänger habe ich noch eine Fahnre, Stangen und einen Flattervorhang deponiert und Gismo hat das alles vorwitzig abgeschnuppert.

Ach, es ist echt schön, wie sehr uns die beiden Jungs inzwischen vertrauen.

Heute haben wir unseren ganzen Tierbestand einmal mit der großen Pferdewaage gewogen und hinzu noch vermessen:

 

Gismo brachte 311 kg auf die Waage und ist darauf marschiert, wie ein Profi. Er wollte gar nicht mehr runter und dann habe ich ihn halt auf der Waage auch noch vermessen. Er hat ein Stockmaß von 131 cm und ist damit einen Tick größer als beim letzten Messen - vielleicht sind die Hufe etwas länger wie damals oder er hat sich einfach nur größer gemacht, weil er so stolz war, auf die Waage zu dürfen.

Sein "Body Mass Index" ist normal - nicht zu dick, nicht zu dünn, sondern genau richtig.

 

Léon brachte 318 kg auf die Waage und ist auch noch ein ganzes Stück gewachsen. Er hat nun ein Stockmaß von 141 cm (letztes Jahr 135 cm) und es könnten im nächsten Jahr sogar noch 1-2 Zemtimeterchen dazu kommen. Auch er hat sich an die Waage sofort erinnert und ist tadellos drauf marschiert.

Sein "Body Mass Index" ist auch normal, aber er ist auf den Rippen etwas mager und setzt dafür etwas Fett am Hals an - nicht so ideal, aber alles noch im grünen Bereich.

Juni 2020

Inzwischen geht es den Eseln "an den dicken Winterpelz". Die Jungs schmeißen ihr Fell ab und wir unterstützen sie bürstender Weise gerne dabei - und dabei kommt so einiges zusammen, wie man hier sehen kann.

Winterfell  ade
Winterfell ade

Wir hatten Besuch von einem Herren, der an Demenz erkrankt ist und es war sehr berührend mitzuerleben, wie Gismo, aber vor allem Léon sich liebevoll von dem Mann haben streicheln lassen.

Nach einiger Zeit wurden dem Mann die Beine etwas schwach und er setzte sich hin. Léon, der die Streicheleinheiten sehr genoss, legte daraufhin ganz zärtlich seinen schweren Kopf in dessen Schoß. Er war dabei so sanft und bewies ein tolles Gespür für das Handicap, mit dem er es zu tun hatte.

Diesmal hat es, im Vergleich zu den anderen Jahren, lange gedauert, bis die Insekten aus ihren Löchern hervorkrochen, doch nun sind sie da. Und zwar zu Hauf. Also habe ich die alten Fliegenmasken und Léons heißgeliebte Fliegendecke "entmottet". Die Masken haben sage und schreibe einen Tag gehalten. Danach waren sie nach einer Nachlauf-Spielaktion der Jungs hinüber. Zugegeben, sie waren vom letzten Jahr und auch schon etwas lediert. Also habe ich mich im Internet auf die Suche gemacht und habe diesmal stabile Fliegenmasken mit Eselohren (Firma Crusader Fly Mask Cashel UV-Schutz) gefunden. Eigentlich wurden die Ohren unserer Esel bis dato weitesgehend verschont, doch dieses Jahr haben wir neue Plagegeister dazu bekommen, die nun tatsächlich in die Ohren stechen. Aus dem Grund habe ich sofort zugeschlagen.

Das erste Maskenpaar hatte ich zu groß bestellt und umgetauscht. Tja, ist nicht immer ganz einfach die Maße (Angaben für ein Muli in inch) für kleine Großesel zu finden, doch der zweite Versuch hat dann gepasst. Léon (Stockmaß 141 cm) und Gismo (Stockmaß 131 cm) haben Größe Standardesel: ARAB/COB. Auf der Seite von Profi Tack (www.profi-tack.de) wurde ich fündig. Als ich ein Ersatzpaar kaufen wollte, waren die Masken bereits aufverkauft ... ich werde aber dran bleiben, denn noch nie hatten wir so effektiv gute Masken. Ab Juli sollen sie wieder lieferbar sein.

 

Die Fliegendecke (obwohl Léon eine Rückenlänge von 140 cm hat, passt ihm eine Decke  von der Firma Waldhausen Größe 125 cm sehr gut) hat heute auch Gismo angehimmelt. Bis dato hatte ich immer das Gefühl, dass er keine benötigt, da sein langes Fell ihn vor den Insekten schützt, aber nun mache ich mir doch Gedanken, ob er diesen Luxus nicht auch bekommen sollte.

Wenn ich nur das Foto gesehen hätte, hätte ich schwören können, dass Léon hier laut Iah ruft, doch da ich das Foto selber gemacht habe, weiß ich, dass er sich am Heu verschluckt und einmal kräftig gehustet hatte.

Juli 2020

Baumaßnahmen ... wir haben inzwischen das Material (angeraute Quadersteine) vor Ort und warten nun auf den Termin (voraussichtlich Mitte August), dass der Auslauf der Jungs gepflastert werden kann. Der Auslauf war bisher mit Kunststoffplatten befestigt gewesen, doch diese haben im Laufe der Jahre so sehr gelitten (die Hanglage tat ihr Übriges dazu), dass wir nun doch eine Firma beauftragt haben, die den Auflauf schön mit Steinen befestigen wird.

Fliegenmasken und Ersatzfliegenmasken sind da, zweite Fliegendecke, die Gismo anfangs etwas gruselig fand, ist angekommen, Fliegenspray im 10 Liter Kanister steht bereit und die Bremsenfalle ist aufgestellt ... nun kann der Sommer und seine Insekten kommen, wir sind gerüstet.

Einige Esel sind in der Urlaubszeit dazu gekommen. Die Zwergeselstuten Mutter Maya mit Tochter Lotta und die beiden Großeselwallache Lucien und Geronimo sind wieder da. Nun tummeln sich 14 Esel auf unserem Hof und morgens, wenn ich die "Arena" betrete, bekomme ich immer einer herrliche Laola aus Iah-Rufen. Ein unbeschreibliches Erlebnis.

Gismo ist zurzeit etwas aufgeregt, da die vielen Stuten auf unserem Hof ihm wohl den Kopf verdrehen. Er ruft häufiger und intensiver, als sonst und ist auch uns Menschen gegenüber ein klein wenig angespannter, als das sonst seine Art ist. Jaja, immer diese "Weiber".

Wanderung mit Gismo und seinem Kumpel Abraham. Die Bachüberquerung war diesmal ziemlich simpel, denn durch die Trockenheit, war es nur ein schmales Bächlein, über den Gismo einen Schritt machen konnte.

Mittags dann eine schöne Picknickpause im hohen Gras. So viele Disteln auf einen Haufen habe ich noch nie erlebt.

Und tags drauf waren wir mit Léon - nun mit eigenem Packsattel - und seinem Kumpel Le Chaim auf einer Wanderung unterwegs. Die beiden Jungspunde (6 und 10 Jahre alt) haben einen etwas zügigeren Schritt und passen daher vom Tempo gut zusammen. Mittags dann eine lange Rast auf einer saftigen Wiese, auf der wir Zeit hatten und lange und schön zu unterhalten. Hund Rico döste in der Zeit ein wenig.

Die Pferdedentistin Jutta Biermann aus Neuss war zur jährlichen Kontrolle da und hat allen Eseln auf dem Hof, die "Beißerchen" gerichtet, damit sie wieder mit vollen Backen reinhauen können. In Zukunft wird ihr Besuch halbjährlich stattfinden, da der kleine Samuel nun 20 Jahre alt ist und in kürzeren Intervallen behandelt werden sollte. Ihm fehlt bereits ein Backenzahen und der Gegenspieler wird ansonsten zu schnell zu lang und macht dann Probleme.

Gismo hatte nichts Auffälliges an den Zähnen. Nur die normalen scharfen Kanten, die sich innerhalb eines Jahres bilden können. Er hat sich sehr geduldig bei der Behandlung gezeigt.

Bei Leon war es ähnlich, nur dass er nicht ganz so geduldig war. Aber er ist auch noch jung und wird mit den Jahren dahingehend bestimmt noch gelassener, da bin ich mir sicher.

Auf dem Nachbarhof meiner Freudin, die viele alte Esel hat, die sie zum Teil gerettet hat, wurden insgesamt 29 Zähne bei 3 "Altertümchen" gezogen, da diese an EOTRH (www.tierklinik-telgte.com) litten. Bald werden sich die Esel von der Behandlung erholt haben und wieder schmerzfrei ihr Rentenalter weiter genießen können.

 

Da, wo ansonsten die Fliegendecke sitzt, hat Léon durch die Reibung schon sein schönes Sommerfell. Die "dicken" Beine sind hingegen noch mit Winterfell behaftet, was auch gut ist, denn diese dichten Haare schützen für Disteldornen und Insektenstichen.

Im Sommerfell wird auch die lange Narbe mit den weißen Stichelhaaren wieder deutlich sichtbarer.

Frühstück im Freien. Diesmal kaum nervige Insekten, weil sich Regen ankündigt.

Auch wenn sich alle 4 Esel prima miteinander vertragen, bleiben die Freunde beim Fressen immer zusammen. Léon mit Gismo und Lucien mit Geronimo.